LORA-Ge­schichte ist eine Web­seite von
Mi­cha­el Lucan

    Heinz Heim, Rede beim LORA-Fest

    Samstag, 4.10.2003
    EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80

    Heinz Heim, Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM)

    Alternative content

    Ich zitiere: "'Radio Lora' hat sich auf dem Demonstrationsband sehr zurückgehalten. Dennoch reicht bereits diese Programmdemonstration aus, um die schlimmsten Befürchtungen zu bestätigen."

    Ich zitiere weiter: "Das Vokabular ist militant, agitierend und diffamiert alle Andersdenkenden. Aufdringlich und unaufhörlich und nie enden wollend, ungeheuer langweilig wird das Thema Verkehrsberuhigung breitgewalzt. Jedes Verständnis für eine anders geartete Argumentation fehlt. Anders und differenziert Denkende werden diffamiert. Es gibt überhaupt keine Musikauswahl nach den Kriterien, welche Musik gut ist, sondern nur, ob die Liedchen dem Agitationszweck dienen. Ein verdummendes Programm, dass gerade für Jugendliche extrem schädlich ist."

    Meine Damen und Herren, das war ein Text sozusagen aus einer Klageschrift aus dem Jahr 1993, als LORA versuchte, hier zum Senden zu kommen. Wir haben, wie Sie merken, natürlich auch in Archiven gekramt und gekruschtelt. Und ich sage Ihnen: In unserem Archiv stehen ganz, ganz viele LORA-Ordner. Ich glaube, es sind eigentlich die meisten Ordner, die wir von Radio- oder Fernsehstationen insgesamt haben. Und Sie nehmen also hier mehrere Regalflächen ein und beschäftigen sich insbesondere natürlich mit dieser Geschichte. Es gibt, so haben wir damals miterleben dürfen, leichte Geburten, es gibt schwere Geburten und es gab die Geburt von LORA München.

    Der Herr Kollege hat ja schon darauf hingewiesen, es gab ja Vorläufer. Es gab also bereits Fahrad-Radio, Sie haben's gesehen auf der Einladung. Es gab vorher auch schon den Versuch, zu senden. Und dann wurde es wirklich ernst und eigentlich sollte es im April losgehen. Mit dem Motto "Kein Kommerz auf Megahertz".

    Jetzt - die Klagen wurden auch schon erwähnt - jetzt wird Sie vielleicht interessieren, wie die Landeszentrale das damals gesehen hat. Den Text, der von den Klagegegnern kam, habe ich Ihnen vorgelesen. Wir haben so formuliert, wir mussten natürlich auch Stellungnahmen abgeben: "Die Art und Weise der Behandlung der Themen ist relativ meinungsbetont. Wobei sachliche Argumente einfließen. Wenngleich das Spektrum der jeweils gehörten Meinungen eingeschränkt ist, sind die Beiträge insgesamt journalistisch fair. Eine Diffamierung von Vertretern gegenteiliger Positionen findet nicht statt."

    Heinz Heim und Eva Schmidt (2003-93-lora-12.jpg)
    Heinz Heim und Eva Schmidt

    Das war also die offizielle Aussage der Landeszentrale durch die Programmbeobachtung zu diesem sagenumwobenen Demoband, das damals natürlich 'ne gewisse Rolle spielte.

    Wir haben uns dann als Landeszentrale gedacht, das mit der Zulieferung, das funktioniert nicht so ganz. Wir müssen LORA eine richtige Struktur geben. Wir haben dann gesagt, wir schenken LORA das wertvollste, das wir eigentlich schenken können beziehungsweise entscheiden können, nämlich den Anbieterstatus.
    Und das haben wir dann auch durch die Gremien durchgebracht obwohl zur damaligen Zeit - müssen Sie ja wissen - hat ja, so heißt es zumindest, sich sogar das bayerische Kabinett mit LORA beschäftigt. Das ist eigentlich kein schlechter Start für ein links-alternatives Radio.

    Es war dann so, dass die ersten Worte des Querfunks am 4. Oktober 1993 kamen, die lauteten: "18 Uhr! Hier LORA München. Wir senden ab heute täglich von Montag bis Freitag zwischen 18 und 20 Uhr. Wir sind auf Sendung - auch, wenn wir es schon fast nicht mehr glauben wollten."

    Dann, Sie haben's gehört, war das Ergebnis 27 - wir haben gemessen 26 - Minuten Sendung. Und auch da trudelte dann bei uns kurzfristig also eine einstweilige Verfügung ein. Wir mussten das Programm rausnehmen. Aber dann, nach wenigen Tagen, gab es dann wirklich, endlich LORA. Und zwar gesichert und dergleichen.

    Die Süddeutsche Zeitung, auch hier noch mal ein Zitat, hat im Oktober '93 geschrieben: "LORA ist anders, klar. LORA ist ein Experiment. Schrill und schräg, manchmal daneben, manchmal genau so, wie man sich die anderen Münchner Radios wünschen würde. Nämlich als wirkliches Lokal-Radio. LORA ist anstrengend, es hat seine Existenzberechtigung, auch wenn es sich manchmal im Ton vergreift."

    Jetzt sendet LORA fünf Stunden, die Wünsche sind bekannt. Sie möchten gern mehr haben. Und deswegen lassen Sie mich resümieren: LORA ist ein Programm, das anders ist - so die SZ - das tatsächlich Lokalradio macht, ein Experiment, das auch unbequeme Themen anspricht und das auch in den laufenden Jahren noch 'ne Menge Ordner von uns gefüllt hat - mit Beschwerden natürlich. Mit anderen Worten, ein Programm, dass etwas zu sagen hat, auch wenn es nicht immer jedem passt.

    Wir freuen uns für LORA und ich darf die besten Wünsche der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien hier an LORA und vor allem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben. Und wir würden Sie gerne weiter 10 Jahre begleiten, Sie haben jedenfalls unsere Unterstützung. Vielen Dank!