LORA-Ge­schichte ist eine Web­seite von
Mi­cha­el Lucan

    Joachim Lorenz, Rede beim LORA-Fest

    Samstag, 4.10.2003
    EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80

    Referent für Gesundheit und Umwelt, Joachim Lorenz
    Ergänzung 2023 - Grüne München:Joachim Lorenz, Fraktionssprecher Bezirksausschuss Stadtbezirk 17

    Alternative content

    Ja, vielen Dank für die nette Einführung. Auch ich kann mich noch sehr gut erinnern an die Zeit vor 10 Jahren. Wir haben ja - Sie, oder Ihr von 'Radio LORA' und ich - wir haben ja vor 10 Jahren beide ein Jubiläum gehabt. Ich wurde damals berufsmäßiger Stadtrat, ursprünglich nur für den Bereich Umwelt, seit 5 Jahren auch für den Bereich Gesundheit. Und Ihr seid auf Sendung gegangen. Ich hab' nie als ehrenamtlicher Stadtrat die Möglichkeit gehabt, bei Euch mich breit zu machen, interviewt zu werden. Sondern nur - in Anführungsstrichen - als berufsmäßiger Stadtrat.

    Ich kann mich erinnern, mit welchen Visionen ich am 1. 6. 1993 mein Amt angetreten hab', und ich hab' auch gespürt, als ich in die feuchten Kellerräume in der Pariser Straße öfters hineinging, mit welchen Visionen ihr das Programm begonnen habt. Ich hatte das aller erste Mal, als ich eingeladen wurde zu einer Sendung, sogar Schwierigkeiten, Euch zu finden. Ich wusste: Pariser Straße, auch die Hausnummer. Aber erstens fehlte die Hausnummer am Gebäude. Es war nämlich sehr, sehr lange ein Sanierungsgebäude. Und zweitens fehlte jegliches Schild, dass hier 'Radio LORA' residiert.

    Ich bin öfters in andere dunkle Hauseingänge gegangen, auch dort wurde grad saniert. Die Pariser Straße war dort scheinbar grad Sanierungsgebiet und alles war sehr provisorisch. Aber irgendwann fand ich das richtige Gebäude. Einige alteingesessene Haidhauser wussten, dass da so'n Alternativsender in irgendeinem Keller sitzt. Aber auch in den Keller runterzukommen war nicht so einfach. Den Lichtschalter zu finden, das ging eigentlich nur, wenn man 'ne Taschenlampe dabei hatte - was ich in der Regel nicht dabei hatte. Dann ging es in der Regel über schmale Bretter, weil rechts und links kein Geländer da war und es zum Teil auch etwas steiler bergab ging. Es war immer ein Abenteuer, zumindest die erste Zeit, die Kellerräume der Pariser Straße zu erreichen. Und dann kam man in den Raum, in den Warteraum, oder den Raum - der Kaffeeraum war's auch - oder der Raum, in dem sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter aufhielten. Da wurde man von netten jungen Leuten empfangen: "Was machst'n Du hier? Arbeit'st Du auch hier?" Ich sagte: "Nein, eigentlich nicht. Ich soll hier heute interviewt werden", "Ach so!" Und man wurde einfach links liegen gelassen. So ganz alternativ.

    Wenn man dann nach'm Kaffee fragte - hab' ich auch gerne gemacht -, hörte man: "Bedien Dich da drüben an der Kaffeemaschine!" Das war alles recht locker, und man konnte sich bedienen. Falls man eine saubere Tasse fand. Das war auch nicht so einfach. Aber es war irgendwie 'ne nette Atmosphäre. Und auch ich war einmal so jung, wie die Leute, die damals dort arbeiteten und hatte noch sehr großes Verständnis dafür, wie man hier werkelt, wie man hier arbeitet.

    Das einzige, was ich nie glaubte damals - vielleicht bin ich zu sehr Pessimist - dass dieses Radio 10 Jahre überleben wird. Ihr/Sie habt es überlebt.

    Ich mag nicht von dem Senderaum erzählen: meistens war es sehr warm und sehr feucht. Fenster konnten nicht aufgemacht werden, weil dann im Hinterhof irgendjemand sein klappriges Fahrrad irgendwo ansperrte und damit die Sendung gestört wurde. Also, das war sicherlich gewöhnungsbedürftig. Aber was tut man nicht als Politiker, der die Öffentlichkeit sucht und auch Menschen erreichen möchte, die man über andere Medien nicht so ohne weiteres erreicht. Insofern habt Ihr natürlich 'ne sehr, sehr wichtige Funktion gehabt.

    Mit dem Umzug dann, quasi um die Ecke in die Gravelottestraße sind dann ganz neue Zeiten angebrochen. Als ich das erste mal in der Gravelottestraße war, ist mir fast die Kinnlade hängen geblieben. Diesen Aufstieg! Vom Keller ins dritte Geschoss. Also nicht nur der räumliche Aufstieg, sondern dieser Luxus - in Anführungsstrichen - der einem auf einmal entgegen kam: helle, freundliche Räume, ein netter Empfang, ein Studio, was wirklich professionell war. Das waren glaub' ich die Ergebnisse der ersten Preise, die damals 'Radio LORA' gewonnen hatte. Die Studioeinrichtung war wirklich hervorragend. Dann die Art und Weise, wie gesendet wurde. Der Raum, aus dem die Musik kam, der war eben entsprechend abgeschottet von dem Raum, in dem man interviewt wurde. Und man hat die Professionalität auch mitbekommen. Also, da kann ich über 10 Jahre - und ich war bestimmt ein Dutzend Mal oder häufiger bei 'Radio LORA' Gast. Ich wunder mich, oder ich freue mich - ich wunder mich trotzdem auch - dass man mit ehrenamtlichem Engagement so viel Professionalität in die Gestaltung der Sendung hereinbringen kann. Wenn ich die ersten Sendungen '93 mir noch Revue passieren lasse und jetzt die letzten Sendungen - ich war glaub' ich 's letzte Mal im Sommer, im letzten Sommer, im Frühsommer war ich bei 'Radio LORA' in der Sendung Rainbow und wurde interviewt - und das war natürlich ein ganz anderes Ambiente als vor 10 Jahren. Also, hier muss man allen Beteiligten ein ganz, ganz hohes Lob zollen, dass man mit Ehrenamt so viel Qualität in diesen Sender bringen kann.

    Und was Nikolaus grade gesagt hat, kann ich nur bestätigen: Die Sendungen sind durchaus kritisch, wenn man das Lokalradio sich anschaut. Aber ich sage: Wir brauchen so was. Ihr sollt ja kein Hofberichterstatter sein, der derzeit regierenden Mehrheit im Münchner Stadtrat. Sondern konstruktiv Kritik brauchen wir auch. Sei es die Politik und sei es auch die Verwaltung. Wir müssen auch hier einen Spiegel vorgehalten bekommen.

    Stefan Dünnwald, Joachim Lorenz, Eva Schmidt (2003-93-lora-11.jpg)
    v.l.n.r.:
    Stefan Dünnwald, Joachim Lorenz, Eva Schmidt

    Aber was ich an 'Radio LORA' schätze, ist die sehr, sehr fundierte Berichterstattung. Ihr macht Euch wirklich Mühe, zu recherchieren. Und dann natürlich mit 'ner eigenen Meinung die Entwicklung zu kommentieren. Aber es scheint immer durch, dass hier die Recherche, die gute Recherche im Hintergrund steht. Und auf 'ner guten Recherche kann man auch mehr oder weniger harte Kritik besser gut vertragen.

    Insofern brauchen wir 'Radio LORA' nach wie vor und hoffentlich noch länger als 10 Jahre. Wir brauchen auch - das sag ich auch hier, weil da grad die Diskussion im Gange ist - durchaus einen erweiterten Sendeplatz. Also, ich würde mich freuen, wenn 'Radio LORA' einen erweiterten Sendeplatz auch besenden kann. Ich weiß nicht, ob das dann noch mit ehrenamtlichem Engagement gemacht werden kann. Aber ich denke, die Themenvielfalt in einer so vielfältigen Stadtgesellschaft wie München lässt auch einen größeren Sendeplatz zu für einen nicht-kommerziellen Sender, der vor allem auf Information und Berichterstattung Wert legt und weniger auf Musik und Werbung vor allen Dingen.

    Ja, meine allerbesten Wünsche begleiten Euch/Sie auch in den nächsten mindestens 10 Jahren. Ich hoffe, dass Ihr in die Lage versetzt werdet aus dem Ehrenamt auch ein wenig Profession zu machen. Das der ein oder andere seine Professionaliät auch als Berufstätiger - zumindest mit Teilzeit oder wenigen Stunden - bei 'Radio LORA' machen kann weil ich denke, ein solcher Sender mit diesem Angebot hat es verdient dass er Leute, die über Jahre ehrenamtlich gearbeitet haben auch in die Berufstätigkeit mit hereinbringen kann. Das wäre mein größter Wunsch, dass Ihr in die Lage versetzt werdet, die Professionalität auch durch die Anstellung des einen oder anderen Redakteurs - Daueranstellung - auch zu machen. Und natürlich würd' ich mich freuen, wenn in diesem Herbst über die Sendeplatzerweiterung verhandelt wird, und 'Radio LORA' hier den Zuschlag bekommt.

    Macht weiter so, bleibt kritisch konstruktiv, dann denk ich, werden wir viele Berührungspunkte haben. Sei's von der Lokalpolitik, von der Lokalverwaltung - aus der ich komme - und mit der gesamten Vielfalt in unserer Stadtgesellschaft, die ja immer wieder bei 'Radio LORA' auch eine Möglichkeit bekommt, sich zu äußern.

    Noch mal vielen Dank für die letzten Jahre und viel Spaß auch für die kommenden zehn und mehr Jahre!