Pressemitteilung 8/86

Seit Anfang des Jahres gibt es in München eine Initiative, die dabei ist, die Voraussetzungen für ein lokales Radio zu schaffen, das - wohl einzigartig in Deutschland - selbstverwaltet und unabhängig von Medienindustrie und Wirtschaft auf Sendung gehen wird.
In der geplanten Selbstverwaltung und Unabhängigkeit werden die Ansätze sichtbar, die eben dieses Radio - zumindest was die Bayerische Medienlandschaft betrifft - zum Politikum werden lassen.

Die Frauen und Männer, die seit März dieses Jahres an der Durchsetzung dieser Idee arbeiten, stoßen ganz offensichtlich offene Türen auf, wenn sie ihr Konzept vorstellen.

Denn an interessierten Einzelnen, Gruppen, Verbänden und Initiativen aller Art mangelt es nicht in München. Sie haben erkannt, dass ein selbstverwaltetes Radio neue Chanden und Möglichekiten der Öffentlichkeitsarbeit bietet.

Gerade im medienpolitischen Liberalismus sehen die LoRa-Leute die innovativen Kräfte und gestalterischen Möglichkeiten eines Senders, der von Bürgerinnen und Bürgern, in München aktiven Initiativgruppen usw gestaltet und kontrolliert wird.


Das Konzept und die Sendegestaltung von LoRa sind so einfach wie wirkungsvoll: Die Hörer sind Mitglied des LoRa e.V., finanzieren ihren Sender und machen ihre Sendungen selbst.

Gesendet werden soll alles, was für München relevant ist, also von der Bürgerversammlun bis hin zu Nachrichten für ausländische Mitbürger.
Gerade die Ausländergruppen, Mietervereine, Müttergruppen, Seniorenvereinigungen und nicht zuletzt die zahlreichen Stadtteilgruppen, die sich von Tschernobyl über die Verkehrsampel an der Ecke bis zu Auftritten in Bezirksausschuss-Versammlungen und Straßenfesten einen Namen gemacht haben, sind hier gefordert, Sie bekommen mit dem Lokal-Radio ein Instrument in die Hand, das über kleinräumige Nachbarschaften hinaus ein stadtübergreifendes Forum für Bürgerkommunikation sein wird.

Um eine wirtschaftliche und politische Basis für die Durchsetzung dieses Lokal-Radios in München zu schaffen, wurde im August der Verein zur Förderung eines Lokal-Radios in München e.V., kurz: LoRa e.V., gegründet.
Für die noch zu gründende LoRa-Betriebs-GmbH, die nach dem Vorbild der Ökobank auf einem Treuhandkonto Beteiligungsgelder sammelt, wirbt der LoRa e.V. stille Gesellschafter, deren Einlagen im Falle der Sende-Erlaubnis aktiviert werden.

Die Existenz des Senders, der auf Werbeeinnahmen grundsätzlich verzichten will - hängt aber von den Mitgliedsbeiträgen seiner zukünftigen Hörerinnen und Hörer ab.

Schwerpunkt des Programms - vorläufig sind vier Stunden am Tag geplant - werden "unterdrückte oder von Unterdrückung bedrohte Nachrichten" sein. Stichworte sind hier: Arbeit, Gesundheit, Wohnen, Verkehr, Kultur aber auch Bedrohung durch Rüstung und technologischen Fortschritt.

Besonderer Ehrgeiz gilt der Pflege einer anspruchsvollen Unterhaltung (Hörspiel, Kleinkunst, Musik aus München, Reiseberichte usw.)
Tschernobyl und Tripolis sind nicht in Vergesssenheit geraten, auch das indische Bhopal ist für München wichtig, betonen die Gründerinnen und Gründer von LoRa, zumal es in München und in der Nähe auch Antomkraftwerke und Giftküchen gibt.

Eins ist sicher:

An Themen und Publikumsbeteiligung wird es diesem neuen Radio nicht mangeln.

Was LoRa braucht, sind zahlende Mitglieder, die schon jetzt das Projekt mit ihrem Beitrag unterstützen (DM 60,00 oder mehr für Einzelpersonen und DM 120,00 oder mehr für Gruppen).

Termine: Jeden Donnerstag um 20:00 Uhr in den Redaktionsräumen der HAIDHAUSER NACHRICHTEN, Breisacherstraße 12, Nähe Ostbahnhof

Kontakte: Harald Bischoff, Tel. 448 83 71 und Eckhard Thiel, Tel. 448 10 18

Arbeitsthemen: Programmgestaltung, Frequenzbeantragung, Finanzierung, Öffentlichkeitsarbeit



Erschienen in Haidhauser Nachrichten 9/1986 (Seite 3)
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